UNIBASKETS.MS: Adam, warum bleibst Du bei den Uni Baskets Münster?
Adam Touray: Ich bin Münsteraner. Ich liebe es, hier zu spielen. Es gibt ProA-Vereine, da sind vielleicht 1.000 Leute bei den Spielen und die sind im Mittelfeld oder in den Playoffs. Wir steigen ab und haben 2.650 Fans beim letzten Heimspiel in der Halle. Das ist ein Riesenfaktor für mich. Das macht unglaublich Spaß, alle zwei Wochen hier vor so einer Menge Leute zu spielen, die einen anfeuern. Dazu habe ich meine Freunde und Familie und auch meinen Job hier, gehe ins letzte Lehrjahr. Das kann man auch nicht außer Acht lassen. Ohne die Uni Baskets würde ich das wahrscheinlich nicht nebenher schaffen.
UNIBASKETS.MS: Bevor wir den Blick nach vorn richten: War das dein erster Abstieg?
Adam Touray: Mit Münster ja. Damals beim MBC in Weißenfels bin ich auch schon aus der BBL in die ProA mit abgestiegen, auch wenn ich da nicht die großen Spielanteile hatte. Was ich damals gelernt habe: Aus so einem Abstieg kann wirklich etwas wirklich Krasses herauskommen. Das Jahr danach hat unglaublich Spaß gemacht und wir haben einen ProA-Rekord aufgestellt. Jedes Training war superintensiv. Ich glaube, dass wir das mit den Uni Baskets auch hinbekommen können, wenn alle Leute – Spieler und Fans – so richtig dabei sind und hundert Prozent für den Wiederaufstieg geben. Ich kann aus Erfahrung sagen, das kann super Spaß machen. In unserem Abstieg kann auf jeden Fall auch eine Chance liegen.
UNIBASKETS.MS: Götz’ Anspruch ist die ProA. Deiner sicherlich auch. Du bist bei den Uni Baskets eine sehr wichtige Figur auf dem Feld, aber auch für die Zuschauer. Bist du dir deiner Rolle bewusst?
Adam Touray: Auf jeden Fall. Die deutschen Spieler werden durch die Regularien in der ProB umso wichtiger. Meine Rolle wird vermutlich noch mal eine wichtigere werden. Ich kenne den Kader noch nicht, weiß noch nicht, welche Spieler kommen und wer uns verlassen wird. Ich kann mir vorstellen, dass noch einmal ein paar jüngere Spieler kommen und ich dann noch einmal mehr als Führungsspieler da sein muss.
UNIBASKETS.MS: Den Kader kennst Du noch nicht. Weißt Du denn schon etwas mehr über die neue Liga ProB Bescheid, aus der wir vier Jahre raus waren?
Adam Touray: Den einen oder anderen Spieler, gegen den man mal gespielt hat, kennt man natürlich noch. Aber im Großen und Ganzen kennt man da noch nicht viel. Ich habe jetzt die ProB-Playoffs verfolgt. Da sind natürlich auch viele junge Spieler dabei, gegen die man noch nie gespielt hat. Aber ich denke, dass wir in dieser Liga mit einem guten Kader im besten Fall aufsteigen können.
UNIBASKETS.MS: Manch einen Umbruch hast Du als Spieler schon miterlebt. Ihr hattet jahrelang einen Mannschaftskern, der aus verschiedenen Gründen zuletzt kleiner wurde. Wie schwer ist es immer wieder, den münsterschen Weg mit einem beständigen Kern zu gehen?
Adam Touray: Einerseits ist das Geschäft mit den Veränderungen so, je höher man kommt. Jeder Spieler möchte die bestmögliche Situation für sich haben. Andererseits ist klar Ein neues Team braucht für Trainer und alle Spieler in der Abstimmung immer auch Zeit. Aber dafür ist die Preseason da, sind wir Profis genug und trainieren jeden Tag. Das Thema haben ja nicht nur wir, sondern alle Teams. Aber es war immer unser Vorteil, dass wir einen Kern an Spielern hatten, die wirklich wussten, was die Mitspieler wollen. Die Idee für die neue Saison ist schon, da wieder hinzukommen. Man muss schauen, wer bereit ist, sich darauf einzulassen. Dafür muss man auch die Persönlichkeiten finden.
UNIBASKETS.MS: Siehst Du dich so ein wenig in der Pflicht, den „Unfall“ des Abstiegs zu reparieren?
Adam Touray: Schon etwas, aber ich war eben auch nur ganz wenig in der Saison auf dem Feld. Aber mir fehlt in meiner Karriere noch eine Goldmedaille, ein Meistertitel. Das ist jetzt die Chance dafür. Das wird mich in der kommenden Saison persönlich antreiben, am Ende des Jahres einen Pokal hochstemmen zu können, zu dem ich auch richtig etwas beigesteuert habe. Damals zu Beginn meiner Profikarriere beim MBC habe ich dafür viel zu wenig gespielt. Das wäre jetzt eine andere Nummer und darauf freue ich mich.

„Wir steigen ab und haben 2.650 Fans beim letzten Heimspiel. Das ist ein Riesenfaktor für mich.“
Adam Touray
UNIBASKETS.MS: In deiner langen Karriere hast du schon einige Trainer erlebt. Für Götz war das ein unglaublich schweres Jahr. Wie hast du ihn als Spieler in dieser Saison wahrgenommen?
Adam Touray: Götz ist ein Trainer, der einem als Spieler viel Freiraum lässt. Das hat uns in dieser Konstellation, wie wir sie diesmal hatten, vielleicht ein bisschen geschadet. Dass die Gruppe nicht so funktionierte, hatten wir in den Vorjahren nicht. Wir haben über die Saison gesprochen. Ein Thema waren auch mögliche Veränderungen und wo er ein paar andere Dinge einbringen wird. Bei der Disziplin wird sich etwas ändern.
UNIBASKETS.MS: Wo stehen die Uni Baskets aus deiner Sicht nach dem vierten ProA-Jahr?
Adam Touray: Es ist natürlich bitter, dass die vergangene Saison so gelaufen ist. Götz und Helge haben ihre Fehler in ein, zwei Situationen ganz offen kommuniziert. Nichtsdestotrotz ist auch vieles schlicht schiefgelaufen. Die Imports haben nicht so eingeschlagen und wir hatten viele und gravierende Verletzungen. Auch von den Persönlichkeiten her war es in der Mannschaft nicht so einfach wie sonst. Mit ein, zwei Dingen kommst Du über eine Saison klar, aber wenn dann wirklich alles wie in dieser Saison schiefgeht, dann ist es schwierig, auch wenn es zum Ende der Saison hin mit Curtis und Phil besser geworden ist.
UNIBASKETS.MS: Kamen die Veränderungen im Kader vielleicht zu spät?
Adam Touray: Es ist schwer, in so einer Situation neue Spieler noch mal vernünftig reinzubringen, ihnen das ganze System zu vermitteln, das der deutsche Kern seit drei Jahren spielt. Folglich ist unser Spiel ein bisschen in Eins-gegen-eins-Basketball ausgeartet. Der Markt für Nachverpflichtungen ist aber auch extrem schwierig. Die Saison war für alle schwer, für Helge und Götz auf jeden Fall auch, für alle Spieler. Die Trainings waren kein Spaß mehr am Ende.
UNIBASKETS.MS: Wie verarbeitest Du den Abstieg? Bist Du jemand, der den schnell abhaken kann, oder wirkt er noch nach?
Adam Touray: Man wird natürlich noch oft darauf angesprochen. Mittlerweile steht der aber auch schon einige Wochen fest. Ich gucke nach vorne. Man kann nichts mehr daran ändern und wir müssen den Fokus jetzt auf die nächste Saison legen.
UNIBASKETS.MS: Du hast in der Saison leider aufgrund einer langwierigen Verletzung lange pausieren müssen. Wie schwer waren die Wochen und Monate für dich ganz persönlich mit der kaum prognostizierbaren Regeneration?
Adam Touray: Generell ist es für mich wie auch schon in den letzten Jahren schwer, die Spiele verletzt von der Seite anzugucken. Man merkt immer, wie dann gerade auf der großen Position die Erfahrung und Abgeklärtheit fehlt. Ich glaube, das habe ich schon in den letzten Jahren gut eingebracht. Natürlich kann man hier und da Verbesserungen anregen, aber letztlich kannst du im Training und den Spielen nicht wirklich eingreifen. Wenn du bei den Spielen auf der Bank sitzt, ist das nicht einfach. Du fühlst dich doch hilflos.
UNIBASKETS.MS: Wenige Tage nach der Verletzung hattest du einen operativen Eingriff. Gab es für dich eine Phase der Unsicherheit, in der du nicht wusstest, wie es weitergeht?
Adam Touray: Es gab vor der OP schon einige harte Tage, als ich im Krankenhaus war. Mein Arm hat gar nicht mehr mitgemacht. Ich konnte ihn nur so um zehn Grad anheben. Im Krankenhaus wurden alle möglichen Tests gemacht. Für ein paar Tage wusste man nicht, was es ist, wie es weitergeht, ob es nicht vielleicht dauerhaft so bleiben würde. Dann aber kam die Diagnose mit der Prognose. Von ein paar Monaten bis zu ein paar Jahren ohne Basketball war alles möglich. Das war schon ein kleiner Lichtblick und besser als ein Karriereende. Ich hatte wieder ein Ziel, an dem ich arbeiten konnte.

„Von ein paar Monaten bis zu ein paar Jahren ohne Basketball war alles möglich.“
Adam Touray
UNIBASKETS.MS: War es dann für dich überraschend, schneller als erwartet zurückkehren zu können? Die Spanne vom möglichen Karriereende bis zum Wiedereinstieg war schon immens …
Adam Touray: Die Ärzte haben mir nach der OP gesagt, wenn die Bandscheibe hält, könnte ich wieder spielen. Dann müsste ich entscheiden, ob und wie ich mit den Einschränkungen am Arm spielen könne. Von da an wusste ich, dass es etwa ein halbes Jahr dauern würde, bis ich wieder spielen kann. Dann habe ich mit unseren Ärzten und Physios alles dafür getan und bestmöglich in der Reha gearbeitet.
UNIBASKETS.MS: Wie ist der Stand heute?
Adam Touray: Ganz bei hundert Prozent bin ich mit dem Arm immer noch nicht. Funktionell fehlt noch der Aufbau der alten Muskelstärke. Die Kraft war nach so langer Zeit weg, zum Beispiel etwas mit dem geraden Arm heben zu können. Bis zur neuen Saison sollte ich das aber wieder hinbekommen können.
UNIBASKETS.MS: Du hast einige Profi-Stationen erlebt. Es kann aus der ProA immer schnell nach unten gehen. Das haben beispielsweise Leverkusen, Paderborn oder Bochum schon gesehen, die alle schon abgestiegen sind. Was fehlt Münster noch an Verbesserungen zum gestandenen ProA-Standort aus Spielersicht?
Adam Touray: Eine gute Frage! Vor vier Jahren hätte ich wirklich noch gesagt, es fehlt noch an Professionalität. Da haben wir noch in drei verschiedenen Hallen trainiert. Aber das hat sich mittlerweile echt geändert. Wir haben unsere festen, wenn auch sehr unterschiedlichen Trainingszeiten. Eine eigene Trainingshalle wäre noch einmal ein Meilenstein. Natürlich gibt es immer Sachen, die man verbessern kann, ob in der Geschäftsstelle oder im Auftritt als Klub. Aber daran wird viel gearbeitet. Der Damen- und Mädchenbereich entwickelt sich zum Beispiel gerade prächtig. Wenn man in fünf Jahren mal zurückschaut, wird sich auch da einiges weitere getan haben.
UNIBASKETS.MS: Nun gilt es also auch für dich, abzuwarten, wie der neue Kader der Uni Baskets letztlich aussehen wird …
Adam Touray: Ich denke, da wird was Ordentliches auf die Beine gestellt werden. Da habe ich auf jeden Fall großes Vertrauen in Helge und Götz. Unsere Fans können sich wieder auf bessere Spiele von uns freuen. Die Idee von Götz ist immer teamorientierter Basketball gewesen. In der abgelaufenen Saison war es den Umständen geschuldet, viel improvisieren zu müssen. Es hätte trotzdem ohne die Verletzungen ein gutes Jahr werden können. Davon bin ich überzeugt. Ohne Cosmo und mich, die das System von Götz seit Jahren tief verinnerlicht haben und da auch vorangehen, auf dem Spielfeld alles aktiv einfordern: Ich glaube, die Saison hätte ganz anders ausgesehen.
UNIBASKETS.MS: Wie nehmen neue Spieler, die amerikanischen Mitspieler, die Uni Baskets Münster über all die Jahre, die du dabei bist, wahr?
Adam Touray: Das Erste, was sie immer sagen, ist: Münster ist eine superschöne Stadt. Viele von denen sind echt gerne in unserer Stadt unterwegs. In den anderen Jahren haben sie immer auch die Teamchemie sehr gelobt. Das bekomme ich seit 15 Jahren, seit ich das erste Mal in der ersten Herrenmannschaft war, gespiegelt. Wir machen auch außerhalb des Feldes einiges zusammen. Das habe ich in meiner Karriere schon anders erlebt. Da wollen wir wieder hin.
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