Prof. Dr. med. Andre Karch
Stellvertretender Institutsdirektor und Leiter Klinische Epidemiologie Universität Münster
Philip Alston
Power Forward des Zweitligisten Uni Baskets Münster
Was ist gameday.ms – Quick 3?
Ein Drei-Punkte-Wurf ist im Basketball das Sahnehäubchen – im Journalismus sind kurz-knackige Interviews äußerst beliebt. Im gameday kombinieren wir beides: Ein Angehöriger des UBC Münster und ein Uni-Angehöriger stellen sich gegenseitig drei Fragen.<p> Wir halten es gerne mit Albert Einstein: </strong><br /><strong><p>"Wichtig ist, dass man nie aufhört zu fragen."</strong><br />
Soziale Faktoren erklären zu mehr als 50 Prozent, warum Menschen krank werden.
Basketball ist heute eine der größten Sportarten weltweit.
Im Basketball wertet man nicht nur den Mannschaftserfolg, sondern auch den Einzelspieler über detaillierte Statistiken. Wie balancierst du persönliche und mannschaftliche Ziele aus?
Eine gute Frage, deren Antwort ich schon in meiner College-Zeit herausgefunden habe. Während einer Saison hatte ich sehr viele Punkte erzielt, wir aber kaum Spiele gewonnen. Erst als wir mehr gewonnen haben, bekamen Spieler meines Teams Möglichkeiten, zu besseren Teams zu wechseln. Je höher man kommen möchte, desto mehr hilft es allen, wenn das Team gewinnt. An erster Stelle im Mannschaftssport steht also das Gewinnen. Ich bin überzeugt, wenn wir mit den Uni Baskets in der 2. Liga oben stünden, bekämen die einzelnen Spieler auch mehr und bessere Anfragen für die nächste Saison.
Worin liegt der Unterschied zwischen der Epidemiologie und der Medizin?
Als Arzt bist du nur an dem Patienten interessiert, der gerade vor dir sitzt, an niemandem sonst. Du willst den Nutzen für diesen Patienten maximieren. In der Epidemiologie möchten wir den Nutzen für die Gesellschaft als Ganzes maximieren. Das kann manchmal auch ein Nachteil für manche Menschen im System sein. So kann zum Beispiel die Beseitigung von Ungleichheiten zwar eine Gesellschaft im Ganzen gesünder machen, aber gleichzeitig auch zur Folge haben, dass diejenigen, die von der Ungleichheit profitieren konnten, vielleicht weniger gut dastehen.
Im Basketball gibt es die sogenannten Rollenspieler. Was zeichnet diese aus?
Rollenspieler sind neben den Topspielern ungemein wichtig. Ich war schon in Teams, in denen es Rollenspieler gab, die ein größeres Ego hatten oder ihre Rolle nicht wirklich akzeptieren wollten, lieber viele Punkte erzielen, anstatt gewinnen zu wollen. Aber ich habe auch Rollenspieler kennengelernt, die nur Interesse am Teamerfolg hatten. Es kommt sehr auf den charakterlichen Kern des Mitspielers an, Teamplayer sein zu wollen.
Wie schaut es denn mit der Rollenverteilung bei den Mitarbeitern an Deinem Institut aus?
Ich habe hier an meinem Institut rund 50 Mitarbeiter mit unterschiedlichstem Charakter. Manche entsprechen vorzüglich eher dem „Rollenspieler“, wie du sie bei dir im Basketball kennst. Andere wiederum möchten unbedingt weiterkommen. Das ist schon schwierig, zu steuern und zu leiten.
In die NBA sind im Laufe der letzten zehn Jahre immer mehr Spieler aus Europa und Nicht-US-Ländern gewechselt. Wie hat sich der Basketball dadurch verändert?
Das Spiel ist dadurch weitergewachsen. Basketball ist heute global gesehen einfach supergroß, eine der größten Sportarten weltweit. Früher war es eher ein amerikanischer Sport. Die meisten der besten Spieler kommen heute aus anderen Ländern der Welt, wie zum Beispiel Victor Wembanyama aus Frankreich, Luka Dončić aus Slowenien oder Shai Gilgeous-Alexander aus Kanada. Das Talent der Spieler wird von Jahr zu Jahr immer besser. Das Spiel in der NBA hat sich definitiv verändert.
Mich interessiert sehr, wie die Zusammenhänge bei Krankheiten im soziologischen Kontext aussehen.
Die sind ziemlich hoch. Ursachen für Krankheiten sind mehrdimensional und nicht statisch. Wir entwickeln uns aus unterschiedlichen Gründen in bestimmte Richtungen weiter, die sich dann in Krankheiten manifestieren können. Messbar ist, dass soziale Faktoren zu mehr als 50 Prozent erklären, warum Menschen krank werden und warum sie gesund bleiben. Die Lebenserwartung in Deutschland ist beispielsweise um einige Jahre höher als in den USA. Und der Grund dafür ist nicht, dass es hier mehr Wohlstand gäbe. Die Ungleichheiten sind in Deutschland geringer.

Kurzprofil des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin an der Uni Münster
Ein Institut der Medizinischen Fakultät
Die Medizinische Fakultät Münster und das Universitätsklinikum Münster gliedern sich in rund 70 Institute, Kliniken und Zentren. Eines der Institute: Die Epidemiologie und Sozialmedizin an der Uni Münster.
Forschung und Analyse
Die Epidemiologie erforscht die Häufigkeit, die Verbreitung und die Determinanten von Gesundheit und Krankheit durch Untersuchung der Bevölkerung oder Bevölkerungsgruppen. Sie analysiert wahrscheinliche Zusammenhänge zwischen Risikofaktoren, gesundheitlichen Belastungen oder Lebensumständen und dem Auftreten von Krankheiten.
Studien
In unserem Institut führen wir zahlreiche bevölkerungsbezogene, registergestützte und klinisch-epidemiologische Studien durch. Das Institut verfügt über ein eigenes Studienzentrum der Nationalen Kohorte. Die Daten werden in einer Vielzahl von Forschungsprojekten mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgewertet, z. B. Herz-Kreislauf-Epidemiologie, Epidemiologie neurologisch-psychiatrischer Erkrankungen, klinische Epidemiologie und Versorgungsforschung.
Eine Kooperation von Uni Baskets, Münstersche Zeitung und volt. Werbeagentur.