Heute im interview:
Stephan Kreutzer
Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut
Was ist gameday.ms – faces?
Die Uni Baskets Münster haben viele Gesichter, sind das pulsierende Basketball-Herz des Münsterlands. Rund um den Basketball-Zweitligisten sind einige spannende Persönlichkeiten anzutreffen. Wer verbirgt sich hinter den Gesichtern der Uni Baskets?
gameday.ms – faces stellt sie vorWas mag ursächlich sein und wie kann man untersützen?
Stephan, die Uni Baskets stehen für die Verknüpfung von Bildung und Profisport. Welchen Weg bist du mit ihnen gegangen?
Die Uni Baskets haben mir vor zehn Jahren die Möglichkeit gegeben, neben meinem Traumstudium Psychologie meiner Leidenschaft, dem Basketball, nachgehen zu können. So konnte ich neben dem Studium trainieren, höherklassig spielen und Teil einer Gemeinschaft sein, die bis heute anhält. Auch Teil der Uni-Mannschaft zu sein, mit der wir national und international erfolgreich an Turnieren teilgenommen haben, war klasse.
Warum bist du in die Kinder- und Jugendpsychologie gegangen? Was machen die psychischen Prozesse dieser jungen Menschen für Dich so spannend?
Zu meiner Zeit in Oldenburg habe ich schon in der „kinder+Sport Basketball Academy“ und in Schulen Training gegeben und während meines Studiums auch Ferienfreizeiten betreut. Dazu habe ich mich im Basketball neben dem Spielerischen immer auch schon für das Mentale und Emotionale interessiert – sowohl individuell als auch im Teamgefüge. Deshalb wollte ich unbedingt Psychologie studieren. Währenddessen durfte ich dann ein Praktikum bei einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin machen. Das hat mir so gut gefallen, Kinder und Jugendliche bei deren spannender Entwicklung begleiten und helfen zu dürfen, wie sie sich weiterentwickeln und für sie da zu sein, wenn es mal richtig schwer für sie ist, dass mein beruflicher Weg vorgezeichnet war.
Aus welchen Gründen kommen Kinder und Jugendliche in deine Praxis?
Das kann aus ganz unterschiedlichen Gründen sein. Wenn Kinder und Jugendliche Probleme mit bestimmten Situationen im Alltag haben oder Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Gefühle zu verstehen und diese zu regulieren, wenn es Schicksalsschläge gab, wenn es Schlimmes gab, was ihnen widerfahren ist, wenn Ängste oder übermäßige Traurigkeit vorliegen. Dann schauen wir, was wir gemeinsam erarbeiten können.
Warum müssen wir die psychische Gesundheit von Kindern stärken?
Es gibt vielfältige Entwicklungsaufgaben in jeder Altersstufe und diese zu bewältigen, gibt Selbstvertrauen und stärkt den Selbstwert. Manchmal ist es geeignet, hierfür zusätzlich auf professionelle Hilfe zurückzugreifen. Hilfreich kann sein, eine Art Entwicklungshelfer*in zu haben, neben Mutter und Vater oder einem Elternteil, neben den Geschwistern und dem Freundeskreis. Unabhängig davon ist es wichtig, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wissen, dass, wenn ihnen Schlimmes widerfahren ist oder sie Schwierigkeiten haben, sie mit jemandem darüber sprechen können.
Haben Kinder und Jugendliche Störungen, die Erwachsene nicht haben, für die Eltern vielleicht das Gespür fehlen könnte?
An ein konkretes Störungsbild oder einer psychischen Erkrankung kann ich das nicht koppeln. Herausfordernd ist es, wenn ein Kind eigene Gefühle noch nicht selber verbalisieren kann oder Schwierigkeiten hat, das eigene Erleben in Worte zu fassen. Hier nähere ich mich gerne spieltherapeutisch an. Im Jugendlichenalter spielen dann Themen wie Autonomie, Nähe und Distanz sowie die Ablösung von den Eltern eine Rolle. Sich auf die Welt dieser Jugendlichen und sich in der Entwicklung befindlichen jungen Erwachsenen einzulassen, ist die Herausforderung, vor der man als Erwachsener steht. Ihre Perspektive zu sehen und sich auf sie mit einer bestimmten Haltung von Offenheit und Neugier einzulassen, ist eine lohnenswerte Aufgabe.
Worin siehst Du in deiner täglichen Praxis den Kern deiner Arbeit?
Meine Aufgabe ist es, die Eltern und das Kind oder die/den Jugendliche*n über eine psychische Erkrankung aufzuklären und sie selbst zum Experten dafür zu machen. Meistens haben sie noch gar keine Berührungspunkte. Wir erarbeiten dann miteinander ein gemeinsames Verständnis und Behandlungsziele.

ASK ME ANYTHING
Was hast Du studiert? Was machst Du beruflich?
Ich habe Psychologie studiert und bin inzwischen als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in eigener Praxis an der Hammer Str. tätig.
Deine Hobbys, Lieblingsbeschäftigungen neben Basketball?
Mit meiner Tochter sein. Sportlich im Sommer unter freiem Himmel am liebsten Speckbrett und Schwimmen. Im Winter Squash, Padel und Sauna. Weiter spiele ich gerne Bass und Schlagzeug.
Dein Gänsehaut-Moment Deiner Karriere?
Deutscher Hochschulmeister 2016 mit der Uni Münster und damit Teilnahme an den EUSA-Games 2018 in Coimbra (Portugal).
Dein Gänsehaut-Moment der Sportgeschichte?
Dirk Nowitzkis NBA Championship 2011.
Dein Moment, der Dich entscheidend zum Basketball gebracht hat?
Ich kann mich an keinen direkten Moment erinnern, außer dass ich mit 6 Jahren meinen Eltern gesagt habe, dass ich alternativlos zum Basketball will. Dann war es Charly Brown zu seiner Spielzeit in Trier – seine Zaubereien, sein Spielwitz, sein Enthusiasmus.
Wer oder was inspiriert Dich?
Lebendigkeit und Humor.
Welcher Lebensweisheit folgst Du?
„Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen.“ (Pippi Langstrumpf / Astrid Lindgren).
Was sind Deine Ziele für die Zukunft?
Ich träume davon, einen Roman zu schreiben.
Dein Lieblingsbuch?
Aktuell: Die Ermordung des Commendatore I Eine Idee erscheint von Haruki Murakami. Der Alchimist von Paulo Coelho.
Deine Lieblingsstaffel und Dein Lieblingsfilm?
Der Prinz von Bel-Air. Hape Kerkelings Der Junge muss an die frische Luft.
Welche versteckten Talente hast Du?
Ich schreibe sehr gerne. Lyrics, Gedichte, Texte.
Deine Lieblingsmusik?
Vor allem Queens of The Stone Age.
Dein Traumberuf als Kind?
„Basketballweltstar“ hab ich als 10-jähriger innen in meine Sporttasche gekritzelt.
Dein Lieblingsplatz in Münster?
Entlang der Promenade mit dem Fahrrad fahren und in die Baumkronen schauen. Sonnige Cafés.

Eine Kooperation von Uni Baskets, Münstersche Zeitung und volt. Werbeagentur.