UNIBASKETS.MS: Herzlich willkommen, Ruza! Warum ist deine Entscheidung für deine nächste Trainerstation zugunsten des UBC Münster gefallen?

Ružica Džankić: Ich wollte aus privaten Gründen gerne in den Westen Deutschlands. Der Kontakt zu Helge bestand schon seit letztem Jahr. Wir sind in Kontakt geblieben und haben uns über die Möglichkeiten ausgetauscht. Für mich ist das in Münster sehr interessant, weil die Strukturen hier für ein Frauenteam, das bisher in der Regionalliga war, jetzt schon unglaublich gut sind. Hier gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, auch Vormittagstraining für die Spielerinnen anzubieten. Das ist im Damenbereich alles andere als üblich. Auch die Leute, die hier arbeiten, sind alle so engagiert, wollen anpacken und haben Bock, den Frauen-Basketball nach vorne zu pushen. Das hat mich mitgenommen. Zudem gibt es hier auch eine sehr gute Verbindung mit der Universität. Münster als Basketball-Standort und Uni-Stadt ist einfach geil.

UNIBASKETS.MS: War die 2. Bundesliga für dich Voraussetzung?

Ružica Džankić: Nein. Aber es ist schön, dass es jetzt die 2. Bundesliga geworden ist und somit ein schöner Schritt nach vorne. Wir versuchen hier, etwas Langfristiges aufzubauen.

UNIBASKETS.MS: Ist der Standort Münster denn schon für die 2. DBBL reif genug?

Ružica Džankić: Das werden wir sehen. Die Frauen-Regionalliga West gilt als schon stärker als die anderen Regionalligen in Deutschland. Aber es ist schon ein großer Schritt. Es wird herausfordernd, aber wir packen das an. Es wird vielleicht ein bisschen dauern, bis wir uns da etabliert haben werden. Aber ich mache mir auch keine Sorgen, es ist vom Niveau her auch nicht so weit weg. Es braucht ein wenig Zeit, die notwendigen Strukturen für die 2. Bundesliga aufzubauen. Wenn ich sehe, was hier die Uni Baskets erreicht haben, warum denn nicht auch mit den Frauen? Die Fans reinzubringen in die Halle ist schon auch wichtig.

UNIBASKETS.MS: Wie sind die Gespräche für dich mit den Verantwortlichen gelaufen?

Ružica Džankić: Sehr gut, insbesondere mit Präsident Meinhard Neuhaus, Manager Helge Stuckenholz und Philipp Kappenstein als sportlichem Leiter für den Damen-Basketball beim UBC Münster. Er macht da einen super Job mit den Jugendlichen. Das ist ein ganz wichtiger Baustein für den Damen-Basketball der Zukunft.

UNIBASKETS.MS: Wie würdest Du den zukünftigen Weg der UBC-Frauen und ihre Entwicklung in den kommenden Jahren beschreiben?

Ružica Džankić: Wir haben Mehrjahrespläne aufgestellt, um hier etwas aufzubauen. Wichtigstes Ziel ist, etwas Nachhaltiges aufzubauen. Wir möchten die Leute mitnehmen und etwas etablieren, was in Deutschland außergewöhnlich ist. Nämlich, dass es professionelle Strukturen und Rahmenbedingungen gibt, die man auch mit der Universität verknüpfen kann. So existiert das bisher im deutschen Frauen-Basketball noch nicht. Auch bei den Fans gibt es noch bislang brachliegendes Potenzial. In Münster gibt es richtig gute Möglichkeiten für Spielerinnen, in einer tollen Uni-Stadt zu studieren und Basketball auf hohem Level zu spielen – mit der Möglichkeit von Individualtraining und in der 2. Bundesliga und vielleicht in ein paar Jahren in der 1. Bundesliga zu spielen. Das ist unser Ziel: die Entwicklung eines Basketball-Standorts für Frauen auf höchstmöglichem Level.

UNIBASKETS.MS: Zu dir persönlich: Du hast eine beeindruckende Karriere als Spielerin. Wo hast du überall gespielt?

Ružica Džankić: Ich habe bis zum 21. Lebensjahr in Kroatien gespielt und bin dann nach Russland gewechselt, wo wir auch im Euro-Cup gespielt haben. Dann habe ich in Rumänien – auch dort im Euro-Cup – gespielt, bevor Rückenprobleme anfingen. Dann war ich noch je ein Jahr in Ungarn und Italien. Damals waren das allesamt Länder, in denen der Frauen-Basketball im Vergleich zu Deutschland professionell weiter war, bevor ich 2020 nach Göttingen gekommen bin. Zwei Jahre später musste ich meine Laufbahn wegen der Rückenthematik beenden und bin seitdem Trainerin.

UNIBASKETS.MS: Wie betrachtest Du die Entwicklung des deutschen Frauen-Basketballs der letzten Jahre? Hat er aufholen können?

Ružica Džankić: Inzwischen ist die Entwicklung im deutschen Frauen-Basketball besser geworden. Die Nationalmannschaft und das 3×3-Team mit der Goldmedaille bei Olympia haben das nach vorne gepusht. Die Welle für den Frauen-Basketball, auch mit den deutschen Spielerinnen in der WNBA in den USA, ist da. Wir bekommen mehr Aufmerksamkeit, auch durch die Weltmeisterschaft im September in Berlin. Die Aufmerksamkeit ist ein wenig anders als im Männerbasketball, aber es ist trotzdem etwas Besonderes darin enthalten.

 

"Mir ist sehr wichtig, auf den Menschen einzugehen. Das hatte ich als Spielerin nie."

Ruzica Dzankic, Cheftrainerin der UBC-Damen

UNIBASKETS.MS: Welcher Trainertyp bist du, wenn du dich selbst beschreiben müsstest?

Ružica Džankić: Ich glaube nicht, dass ich die harte Trainerin bin. Aber wenn wir arbeiten, dann arbeiten wir. Ich bin ein Typ, der alles offen kommuniziert. Wir machen die Arbeit zusammen am Ende. Mein Job ist, aus jeder Spielerin das Beste herauszuholen. Der ist nicht nur basketballerisch. Wenn eine Spielerin möchte, dass ich sie coache, dann pushen wir sie gemeinsam aus ihrer Komfortzone und bringen sie nach vorne. Aber wir haben auch Spaß daran. Mir ist sehr wichtig, auf den Menschen einzugehen. Das hatte ich als Spielerin nie. Hinter jeder Spielerin ist auch ein Mensch mit Familie, Bruder, Schwester und Uni-Leben und manches mehr. Der Mensch steht an erster Stelle. Das Zweite ist, etwas auf dem Spielfeld einzubringen.

UNIBASKETS.MS: Welche Idealvorstellung hast Du vom Basketballstil her?

Ružica Džankić: (lacht) Meine Idealvorstellung wären die San Antonio Spurs um die 2010er Jahre. Und dieses Jahr hat mir der Valencia Basket Club in der EuroLeague viel Spaß gemacht, zuzuschauen. Es war eher Zufall am Ende, aber in der abgelaufenen Saison habe ich auch mit meiner Mannschaft in Göttingen versucht, so zu spielen. Grundsätzlich ist es aber schwierig, eine Idealvorstellung einer Spielweise zu haben. Es hängt vielmehr davon ab, wie die Mannschaft aussieht und zusammengestellt ist.

UNIBASKETS.MS: Womit wir beim nächsten Stichwort wären. Wie sieht das Team der UBC-Damen in der kommenden Saison in der 2. DBBL denn aus?

Ružica Džankić: Stand heute weiß ich das noch nicht. Wir sind gerade in Gesprächen mit den Mädels, die schon hier sind. Ich würde gerne versuchen, sie auch in der neuen Saison mit ins Boot zu holen. Einige Studentinnen sind darunter. Auch mit potenziellen Neuzugängen bin ich in Gesprächen. Wir sind noch ganz am Anfang, auch Sponsoren dazuzugewinnen, um Verstärkungen zu holen, die auch den Erhalt der Liga sichern können. Unseren Trainingsstart planen wir Richtung Mitte bis Ende August, damit wir sechs Wochen Vorbereitungszeit haben.

UNIBASKETS.MS: Du kennst die 2. DBBL sehr gut, hast dort zuletzt die Veilchenladys in Göttingen trainiert. Wie stark siehst Du die neue Liga im Vergleich zur Regionalliga, aus der wir kommen?

Ružica Džankić: Ich kann das eigentlich nicht vergleichen, weil ich die hiesige Regionalliga nicht gut genug kenne. Die zweite Liga war in der letzten Saison sehr interessant. Zwei, drei Mannschaften waren richtig stark mit Erstligapotenzial, denen aber die finanziellen Mittel dafür fehlen. Es gab ein breites Mittelfeld und Mannschaften, die etwas abfielen. Manche Klubs der zweiten Liga haben eine richtig gute Jugendarbeit und spielen dann mit ihren eigenen Talenten. Andere Mannschaften spielen dann mit drei, vier Profis. Gegen die ist es dann schwer, etwas auszurichten.

UNIBASKETS.MS: Habt ihr schon Ideen und Planungen, mit wie vielen Profispielerinnen im Kader ihr die neue Liga angehen möchtet?

Ružica Džankić: Das ist noch offen. Im Kern möchten wir Spielerinnen dazu holen, die hier in Münster länger bleiben wollen, ähnlich wie es die Uni Baskets über all die Jahre angegangen sind. Noch sind wir aber am Anfang unserer Kaderplanungen. Es ist auch sehr, sehr frisch, dass wir Klarheit darüber haben, in der 2. Bundesliga zu spielen, und damit in die Gespräche gehen können.

UNIBASKETS.MS: Für dich geht es jetzt direkt zum DBB zur weiblichen U20-Nationalmannschaft. Was machst Du da im Detail?

Ružica Džankić: Ich bin weiterhin Co-Trainerin der U20-Damen-Nationalmannschaft. Es steht eine Europameisterschaft an. Letztes Jahr war ich das erste Mal für die Vorbereitung und während der EM dabei. Sidney Parsons war da noch Headcoach und Nachwuchs-Bundestrainerin für den weiblichen Bereich, die dann kurzfristig in die WNBA gegangen ist. Constanze Wegner hat das übernommen und ich mache das mit ihr zusammen. Es macht großen Spaß, ist aber auch sehr, sehr aufwendig. Ich bin eigentlich ohne Pause seit Juni letzten Jahres mit Basketball unterwegs. Als wir in Göttingen mit den Playoffs in der ProA fertig waren, war ich direkt danach schon im Lehrgang mit der Nationalmannschaft.

UNIBASKETS.MS: Klappt es da überhaupt noch mit dem Umzug und einem Urlaub vor dem Start der Vorbereitung in Münster für dich?

Ružica Džankić: (lacht) Ende Juli nach der EM geht es dann hoffentlich nach Hause nach Kroatien. Seit dem Playoff-Aus mit der Göttinger ProA-Mannschaft Mitte Mai nutze ich bis Mitte dieses Monats zwischendurch die Zeit, um in Münster die handelnden Personen kennenzulernen und eine Wohnung zu suchen.

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